In einer Skihütte
 

Masterplan Kälte revisited

 

Kältemanagement hat viel mit Erfahrung zu tun. Dennoch ist es gar nicht schwer, Komfort, Sicherheit und Bewegungsfreiheit unter einen Hut zu bringen. Sibirische Kälte, Schneemassen und echtes Winterfeeling - mit diesen Tipps genießt du die Wintertour 2018 ohne zu frieren.

 
Das Zwiebelsystem

Bei Kälte liegt man mit dem Zwiebelprinzip goldrichtig, besonders, wenn man sich viel bewegt. Das Schichtsystem transportiert und verdunstet durch Schweiß entstehende Feuchtigkeit am Baselayer problemlos nach außen. Es hält Körperwärme im Midlayer und schützt mit der Shell vor Nässe, Wind und Schnee. Es ist flexibel und einfach umzusetzen.

Hat das Schichtsystem eine Lücke, geht dort am meisten Wärme verloren. Oft ist das der Kopfbereich. Mütze, Beanie und Kapuze sind deshalb mehr als nette Accessoires. Mit einer dünnen Sturmhaube, Unterhandschuhen und Rollkragen am Base- oder Midlayer kann man auch hier das Zwiebelprinzip anwenden. Darüber kommen die eigentliche Mütze, Helm und Kapuze, robustere Handschuhe, Schal oder Schlauchtuch.

Mit Sonnenschutz und Kältecreme wird die Ausrüstung komplett. In kaltem Wind beginnen die Augen zu tränen; eine Ski- oder Gletscherbrille ist auch ein guter Kälteschutz. Kältecreme/Fettcreme oder Vaseline sind oft zielführender als sich zu sehr zu vermummen. Gerade der Atem durchnässt Sturmhauben und Schals schnell.

 
Patagonia Baselayer

Baselayer

Hier funktionieren Textilien am besten, die körperbetont geschnitten sind und selbst keine Feuchtigkeit speichern. Kunstfaser ist ideal. Gerade weil der Baselayer jedoch direkt an der Haut liegt, wollen viele KundInnen ein natürlicheres Feeling. Moderne Kunstfaser-Naturfaserblends, speziell auf die Anforderungen abgestimmt, werden dann gerne verwendet und haben schon lange keine Performance-Nachteile mehr. Plus: Schurwolle hat "ab Schaf" geruchsneutralisierende Wirkung; Merino-Baselayer sind deshalb auch ganz ohne technische oder chemische Ausrüstung geruchshemmend.

Anders bei unvermischter Kunstfaser, die Gerüche speichert. Um auch hier geruchsneutrale Kleidung zu erreichen, wird sie mit einer eigenen technischen Ausrüstung versehen. Patagonia® z. B. nennt diesen nur an der Außenseite aktiven Geruchshemmer Polygiene®. Damit ausgerüstete Stoffe haben medizinische Zulassung, die z. B. Verbandsmaterial für den direkten Kontakt mit offenen Wunden umfasst und sind bluesign®-zertifiziert. Polygiene® basiert auf Silberchlorid aus recyceltem Silber, das aus industriellen Rückständen stammt. Die Polygienebehandlung bietet dauerhaften Schutz und hält so lange wie die Kleidung selbst.

Beim Baselayer werden übrigens die meisten Fehler gemacht: Baumwolle ist hier ebenso ein Komfortstopper, wie weit geschnittene T-Shirts und Shorts.

Patagonia Midlayer

Midlayer - Outerlayer

Für den Midlayer ist jedes gut luftdurchlässige Material erlaubt. Vermeiden: Wasser abweisende, Goretex und Windshield-Ausrüstung.

Der Midlayer besteht je nach Wetter aus mehreren dünnen Lagen. Damit ist man flexibler und vermeidet Kältebrücken. Leichte und ultralight Produkte haben längst ähnlich gute Eigenschaften wie schwere Teile. Sie geben aber spürbar mehr Bewegungsfreiheit und Körpergefühl.

Bei günstiger Witterung wird der Midlayer gerne als Outerlayer verwendet und darf in der äußeren Schicht dann etwas besser isolieren. Klassiker ist hier etwa die Nano Puff Familie  Nano Puff® Hall of Fame

Patagonia Shell

Shell Layer

Die dritte, äußere Lage bietet mit Wind und Wasser abweisenden Jacken und Hosen alles auf, was technische Textilien heute als Wetterschutz leisten. Auch hier gibt es eine große Auswahl an sehr leichten Produkten.

Der Shell Layer ist die Barriere gegen Wind, Regen und Schnee.

Keine Schicht darunter soll
  •  ähnliche Eigenschaften haben
  •  besser gegen Wettereinflüsse schützen
  •  oder weniger atmungsaktiv sein.
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    Bei den Schuhen kann die Isolation zum Boden durch geeignete Einlagen verbessert werden. Man achtet auf etwas mehr Spielraum. Zu kleine Schuhe und Socken, die zu sehr auftragen, sind ungeeignet. Gamaschen helfen, Kältebrücken zu vermeiden und schützen vor eindringendem Schnee.

     
    Frühstück am Gipfel
     
    Snow Safety: Michi zeigt sein Notfallset
     

    Michi ist staatlich geprüfter Skilehrer und friert höchstens auf Kreta – in der Badehose. Im Winter hat er auch bei kurzen Touren immer ein Notfallpaket dabei. Das kostet nicht viel, ist leicht, nimmt bis auf Schneeschaufel & Sonde kaum Platz weg, ermöglicht aber bei kleineren Problemen, trotzdem weiter zu kommen. Im Extremfall rettet es Leben.

     
     
     
    Tape Mit Tape kann man alles machen: Den Rucksack reparieren, die Jacke flicken, bei Verstauchungen und anderen Sportverletzungen provisorisch Verbinden, Schienen und Stützen. Tapen bei medizinischen Problemen geht nicht ohne Know-how. Rettungsdecke Braucht weder Platz noch hat sie Gewicht, und kann zusammen mit Tape noch mal mehr, als nur gegen Kälte abzuisolieren.  Messer Kompakt, robust mit Kordelschneider zum Kappen von Seilen und partiell gezahnter Klinge  Notproviant Ein Müsliriegel, Kekse oder Clifbars.  Reise-Handtuch Superleichte, extrem schnell trocknende, weiche Mikrofaser. Kann man immer brauchen.  Erste Hilfe je nach Sportart das richtige Mini-Set, - oder eine komplette Sache wie das Set von Pieps®  Biwaksack zu einer Übernachtung im Freien kann es immer kommen. Auch der preiswerte Mountain Equipment Ultralight Biwaksack ist im Notfallset vollkommen ausreichend. Die Preisunterschiede zu kompletteren Modellen erklären sich meist dadurch, dass diese zusätzlich atmungsaktiv sind, mit Silikongel ausgerüstet sind oder andere technische Features haben bzw. auch Raum für Ausrüstung und Schlafsack habe. Schnee-Tour Geht es in die Berge, kommen eine Schneeschaufel, eine Sonde und technische Sicherung (Lawinenairbag, Suchgerät etc., mit. Die Schneeschaufel braucht man nicht nur zu Rettungszwecken, sondern z.B. auch, um ein Schneebiwak zu bauen. Anleitung dazu ORF Tirol - Alpiner Notfall

    So ein Set bleibt immer im Rucksack und kostet nur ab € 130 inkl. Sonde und Schaufel. Rucksack im Bild: Black Diamond® Halo 28 JetForce Avalanche Airbag Pack, ein smarter Lawinenairbag der genug Platz für das Notfallpaket hat.

     
    Klettern und Skifahren
     
    Praxis: Die SteppenwölfInnen im Wordrap

    Angelika

     
    Masterplan Kälte Angelika
    Angelika, seit Frühjahr im Steppenwolfteam, findet man in der Kletterwand, im Fels, am Rennrad und Snowboard. Sie liebt Winter und Sommer, mit den Übergangsjahreszeiten kann sie nicht so viel anfangen.
     
    Der Kälte Tipp Be prepared - besonders als "Frostbeule" sollte man eher zu viel Gewand als zu wenig mit haben. Allrounder wie die Nano Air Jacket habe ich immer dabei. Ich hatte auch immer kalte Zehen, egal ob beim Klettern oder Snowboarden. Heute weiß ich dass warme Socken und - wenn es so richtig eisig kalt ist - eine Wärmesohle hier abhilfe schafft.
    Da war es kaltSt. Christoph am Arlberg - -15°C, Sturm, abgeschaltete Lifte. Diesen Schikurs werde ich nicht vergessen.
    Uns war trotzdem nicht kalt. Wir haben unsere "verschütteten" Rucksäcke mit Pieps und Sonde aufgespürt.
    Da war mir kaltSiehe Foto - Stuhleck/Semmering, knackige -8°C im Jänner 2017
     

    Bernhard

     
    Masterplan Kälte Bernhard
    Bernhard betreut seit einem Jahr den Steppenwolf Onlineshop. Der wird gerade neu aufgesetzt und strahlt so 2017 in neuem Glanz.
     
    Der Kälte TippPause machen am Berg und kein Windschutz. Da kühlt man schnell aus. Ich nehme immer einen winddichten Poncho mit. Der ist klein, leicht, schnell übergezogen und hält den Wind vollkommen ab.
    Da war es kalt Schweden Kungsleden nahe der norwegischen Grenze. – 5 Grad. Trotz August kommt es hier schnell zu Wetterumschwüngen.
    Auch Schnee und Hagel sind hier um diese Jahreszeit keine Seltenheit. Leider habe ich das beim Rucksackpacken unterschätzt. Also habe ich alles angezogen was ich hatte. Der Vorteil war, dass der Rucksack schön leicht war.
    Da war mir kalt Nachdem es aufgehört hat zu schneien, kam der Nebel. Null Sicht und nur nasses Moor. Ein falscher Schritt und ich bin bis zur Hüfte eingesunken. Schuhe nass, Hose nass. Eiskalt. Zum Glück einen Lagerplatz gefunden, Zelt aufgebaut und dank Trangia erstmal einen heißen Tee getrunken.
     

    Andi

     
    Masterplan Kälte Andreas
    Andi, ruhender Pol im Steppenwolfladen, fühlt sich in warmen Gefilden wohler. Ausnahmen bestätigen die Regel wie das Foto vom Winter-Kletterurlaub in Fontainebleau beweist ...
     
    Der Kälte Tipp Beim Klettern im Winter einfach trotzdem ein Paar dünne Socken in die Kletterschuhe, dann hält man's besser aus. Gegen die kalten Finger haben die Thermopad-Handwärmer und sonst die dicke ME-Daunenjacke sehr geholfen.
    Da war es kalt In Fontainebleau in Frankreich, Temperaturen um den Gefrierpunkt und Reif am Morgen.
    Da war mir kalt Beim Bouldern habe ich früher unterschätzt dass man nach der intensiven Aktivität leicht auskühlt und dann friert. Deshalb habe ich jetzt für die Pausen immer eine warme Jacke dabei.
     
    Foto: Winterbouldern in Foret de Fontainebleau
     

    Philipp

     
    Masterplan Kälte Philipp
    Philipp kennt kein schlechtes Wetter - er ist zu jeder Jahreszeit draußen in der Natur unterwegs. Es gibt eben für alles die passende Bekleidung, nur dem Waschen in kalten Gebirgsbächen zieht er eine Katzenwäsche mit Wasser vom Gaskocher vor.
     
    Der Kälte Tipp Eine dünne Haube, Handschuhe und ggf. Daunenjacke sind immer dabei, denn in größeren Höhen kann es selbst im Sommer zu einem Temperatursturz kommen. Was bei kalten Temperaturen nach einer Tour im Auto nie fehlen darf: eine Thermosflasche mit heißem Tee und Gewand zum Wechseln.
    Da war es kalt Temperaturen knapp um den Gefrierpunkt beim Trekking im Sommer am Kungsleden in Schweden. Wenn es tagelang regnet und dann auch noch der Schnee kommt, freut man sich auf eine Hütte mit Sauna. Einziger Nachteil dabei - man muss dann wieder ins kalte und nasse Zelt zurück.
    Da war mir kaltDachstein im Oktober (Foto) bei -15°C und Schnee bis zu den Knien in der Wand. Vor lauter Adrenalin und Spaß beim Wühlen im Schnee, vergisst man fast, dass einem die ganze Zeit Schnee in die Schuhe fällt - nur beim Zurücklaufen geht es sich etwas schwer. Kein Wunder, denn mittlerweile steht ein See in den Schuhen.
     

    Claus

     
    Masterplan Kälte Klaus
    Wahrnehmen, - Emotion zulassen, - selbst entscheiden, wie man sich dabei fühlt. Der vegane Kampfsportcoach hat mit Kälte, auch bei der morgendlichen kalten Dusche, absolut kein Problem.
     
    Der Kälte TippBewegt man sich - oder ist man eher statisch? Viele vergessen: Sich "warm anziehen" allein bringt gar nichts, wenn der Körper nicht aufgewärmt ist. Wärme = Bewegung. Erzeug erst die Wärme, die du dann gut abisolierst.
    Da war es kalt- 35°C in der Au in Hainburg, der kältester Winter meines Lebens. Ich war 6 Wochen bei der Besetzung der Au dabei. Outdoor Kleidung gab es damals im heutigen Sinn nicht, alles, was wir hatten, war aus dem Army Shop. Imprägnierte Baumwolle war das Maximum an Hightech. In den selbst gebauten Tipis saßen wir auch mal im T-Shirt am Lagerfeuer.
    Da war mir kaltBundesheer, Waldviertel, Allensteig. Da lernt man: Schuhe bringen keine Wärme ohne Bewegung. Wenn man sich kaum bewegt, hilft eine Styroporplatte unter der Sohle.
    Foto: Claus, unser veganer Kampfsportcoach, in Schladming, kommuniziert perfekte Bedingungen für die Abfahrt
     
     

    Raffaela

     
    Masterplan Kälte Raffaela
    Der spontane Wirbelwind aus Niederösterreich war schon als Kind in den Bergen unterwegs. Kälte ist jedenfalls kein Grund, hinterm Ofen hocken zu bleiben.
     
    Der Kälte TippAusrüstung imprägnieren. Bei Abreise die sonst zuverlässigen Bergschuhe nicht gecheckt. Annapurna Circuit, Nepal: 1 m Schnee. Einen Tag durchgewandert, - die Schuhe wurden komplett nass und über Nacht auch nicht mehr trocken.
    Da war es kalt4 Uhr früh, 4900 m Höhe, -15 °C nach einer stürmischen Nacht.
    Da war mir kaltAnnapurna Circuit – siehe oben. Die Schuhe wurden nicht trocken, den nächsten Tag habe ich erst am Trail gefroren, dann wurde mir überhaupt nicht mehr warm. Nur das schöne Wetter, die Traumaussicht und mein Kampfgeist haben die Sache gerettet. Die Schuhe habe ich seitdem nie wieder angezogen.
     
    Foto: Krummbachstein, Rax-Schneeberg-Gruppe
     
     

    Sören

     
    Masterplan Kälte Sören
    Zwiebel und gute Ausrüstung ist alternativlos. Beim Steppi sitzt er an der Quelle. An das letzte Mal Frieren hat er keine Erinnerung.
     
    Der Kälte TippAnfangs habe ich bei knapper Kasse normale T-Shirts, Pullover usw. übereinander angezogen. Das funktioniert nicht. Ein einfacher - brauchbarer Baselayer und Fleece macht mehr Spaß. Man lernt, dass man überall sparen kann, nur nicht bei der richtigen Ausrüstung.
    Vergiß "All-in-One" beim Schichtsystem. Brauchbares Schichtsystem stellt man individuell aus verschiedenen Teilen zusammen.
    Da war es kalt-30 °C in Moskau. Beim Raustreten aus der Haustür wie ein Sprung in kaltes Wasser; der Atem bleibt weg. Man friert nicht richtig bei trockener Kälte - es ist eher stichig - kalt.
    Da war mir kaltSeitdem ich vor Jahren in gute Ausrüstung investiert habe, friere ich nicht mehr ;-)
    Foto: Himalaya, 5416 m. Marcella und ich fühlen uns wie Astronauten - als würden sich alle in Zeitlupe bewegen :)
     
     

    Hannah

     
    Masterplan Kälte Hannah
    Hannah wandert viel. Hier sieht es eher nach Base Jumping aus. "In den Bergen ist es einfacher, sich richtig anzuziehen, als bei Urban Outdoor", sagt sie.
     
    Der Kälte TippSchwere Jacke ist uncool. Dünnere Schichten sind flexibler und machen deshalb mehr Spaß. Am Bild trage ich den Midlayer als Outerlayer. Als Shell hatte ich eine The Nortface Jacke mit.
    Da war es kalt-23 °C in Wien als Stadtradlerin. Stehzeiten, Aufenthalt in beheizten Räumen, dann unvermittelt hinaus. Da passt dann einfach nichts richtig.
    Da war mir kaltZwei Wochen Heizungsausfall in der Wohnung in Wien.
     
    Foto: Schneeberg mit Übernachtung in der Fischerhütte, - im Oktober noch bewirtschaftet.
     
     

    Raffael

     
    Masterplan Kälte Raffael
    Raffael ist eher der Sommertyp; in Regionen, die ihn interessieren, ist es nie megakalt.
     
    Der Kälte TippMit kalten Füßen nützt die beste Jacke wenig. Auf isolierte Sohle achten, zu dünne Sohlen heben die Wirkung eines warmen Oberschuhs auf.
    Da war es kalt5 °C in Norwegen, in Bergen. Klar gab es beim Skifahren in Österreich kältere Tage. Aus Bergen hab ich mir´s gemerkt.
    Da war mir kaltMt. Fuji in Japan, diesen August bei +8 Grad. Wir kamen aus Tokio, August ist der wärmste Monat in Japan mit schwülen + 35 bis 40 °C. Entsprechend war meine Ausrüstung, die ich dann komplett anhatte, - inkl. Badehose außen über der Hose.
     
    Foto:Erstbesteigung des Mt. Fuji 3800 m mit dem Cocoon Microfiber-Towel bei ca. 8 Grad ;).
     
    Berggipfel
     aufgezeichnet von D. Steiner  Coverfotos: 1 Grove, 3 Fredriksson, 4 Clark © 2017 Patagonia, 2 © 2017 Mountain Equipment