Julbo - Brillenschmiede hart am Wind

 Text: D. Steiner  Fotos: Y. Zedda (Lead), I. Ribas, CC BY-NC 2.0, Butterfly Voyages, CC BY-NC 3.0, für Julbo: B. Thouard, R. Kuralte, M. Bruque, Lineprod.ch, M. Davlet, J. Bernard, G. Fasnacht
 

Wenn ein Foiling Gybe nach Puerto Williams verschifft und von dort nach Puerto Toro, der südlichsten Gemeinde der Welt gefahren wird, ist Julbo Session Time. Weltklasse-Skipper Franck Cammas umrundet Cape Horn um den Leuchtturmwärter zu besuchen. Mit dabei: ein Amateur als Crew-Mitglied. Julbo traut sich - schon wieder.

Puerto Williams
Cape Horn

"Wenige Orte auf der Welt haben eine ähnlich mystische Ausstrahlung wie Cape Horn. Kurs und Passage sind ein Heiligtum in einer überirdischen Gegend. Geografische Lage, Küstenformation und Wetterphänomene machen Cape Horn einzigartig", sagt Stephen Wilkins, Skipper des Expeditionsschiffs Xplore. Start der Julbo Session ist Puerto Williams (links).

 

Cape Horn und der Besuch beim Leuchtturmwärter

 

Cape Horn gehört zur Tierra del Fuegoim Cabo de Hornos National Park. In unmittelbarer Nähe ist eine Station der chilenischen Marine. Dort wohnt der Leuchtturmwärter mit seiner Familie - weit und breit die Einzigen in einem unzugänglichen Gebiet.

Franck Cammas, der 2017 mit dem Groupama Team France am Americas Cup teilnehmen wird, war schon mehrfach am Leuchtturm bei Cape Horn vorbeigefahren. Auf dem Trimaran Groupama 3 etwa während der Weltumsegelung Jules Verne 2010 und auf einer Volvo Open 70 im Volvo Ocean Race 2011/12, beide Rennen hatte er gewonnen. Diesmal hat er sich ein besonderes Gefährt ausgesucht - und will nicht nur vorbeisegeln, sondern auch den Leuchtturmwärter und seine Familie besuchen.

 
Franck Cammas
Pressekonferenz Team France Americas Cup

Frankreich ist eine Nation der Seefahrer - nur eine Trophäe fehlt: Der Americas Cup. Franck Cammas (li) ist in seiner Karriere bisher über 75 Rennen gefahren, war 60 Mal am Siegertreppchen und 35 Mal siegreich. Er hat z.B. das Volvo Ocean Race, die Jules Verne und den sogenannten "Little Americas Cup" gewonnen. Am 25.6.2015 wurde nun von Franck Cammas, Michel Desjoyeaux und Olivier de Kersauson die Teilnahme am 35. America's Cup angekündigt (Bild re mit Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian, Foto © Yvan Zedda / Groupama Team-Frankreich)

 

The flying catamaran

 

Andere lassen sich von schwerfälligen Schlauchboten zum Leuchttum schippern,Franck Cammas hat eher an die F20 FCS gedacht, einen 6,2-m-Katamaran, vom Kiel bis zur Mastspitze aus Carbon gefertigt. Wenn ein Boot ein Flight Control System hat - dafür steht FCS - kann man sich in etwa vorstellen, wie es sich fährt, zumal die See bei Cape Horn risikoreich und herausfordernd, mit hohem Wellengang und von unberechenbaren Stürmen durchpeitscht ist.

So ein Vorhaben birgt einige logistische Herausforderungen wie den Transport der Nacra F20 Carbon FCS - auch wenn sie in einen 12m Standard-Container passt - Unabwägbarkeiten wie das Wetter und einen hohen Anspruch an Fitness und Konzentration. Die Nacra F20 Carbon FCS ist ein ultraleichter Renner - eine Kajüte hat sie nicht. Deshalb ist die XPLORE mit Skipper Stephen Wilkins als Begleit- und Versorgungsboot dabei.

Das Besondere an der Expedition ist nicht, dass Julbo einem Weltklasseprofi diesen ausgefallenen Wunsch erfüllt - sondern die Bedingung, die es dabei zusätzlich gibt: Ein Amateur muss mit. Nicht im Begleitboot, sondern neben Franck Cammas, denn die F20 wird von 2 Mann gefahren.

 
 
Julbo Session

Unser Artikel erschien erstmals zur Zeit der Ausschreibung. Mittlerweile ist die Session ein weiteres Highlight im Julbo-Archiv. Den Platz neben Franck Cammas hat der Architekt und Münchner Amateursegler Johannes Wiebel gewonnen. Bei besten Wetterbedingungen und durchschnittlich 15 Knoten Wind war eine perfekte Passage angesagt.

 

Die Julbo Story

 

Happy FamilyMorez im Jura - hier liegt die Wiege der französischen Brillenindustrie. Ein kleines Museum dokumentiert ihre Geschichte. 2013 feiert Julbo in diesen Räumen 125 Jahre Bestand. Das Familienunternehmen zählt seit 1888 zu den innovativsten Brands der Sportoptik Branche und ist am Sprung zum Global Player.

Gerade haben wir mit Franck Cammas ein Mitglied der "Julbo Family", den Athleten kennengelernt, der eng mit der Entwicklungsabteilung zusammenarbeitet - aus diesem Austausch an Ideen entstehen nicht nur abgefahrene "Sessions", sondern vor allem neue Produkte. Der Fokus auf praxistaugliches, ergonomisches Design, das den Anforderungen einer Sportart dient und daher kompromisslos für diese geeignet ist, ist eines der Erfolgsgeheimnisse des Familienunternehmens.

Auch zu Anfang unseres Jahrhunderts waren es konkrete Anforderungen, die an Jules Baud gestellt wurden: Kristallsucher - Strahler - aus Chamonix benötigten eine geeignete Brille zum Schutz der Augen vor der Gletschersonne. Wie weit die akademisch anmutende "Cristalliers" mit den hellblau getönten Gläsern diesen Zweck erfüllte, ist nicht überliefert.

­Die "Vermont" jedenfalls, ein Nachfolgemodell in den 50ern ist der großen Wurf. Ein deutlich pragmatischer Ansatz - trotzdem unverkennbarer Eleganz: Das ist nun keine Gelehrtenbrille mehr. Replika und unzählige davon inspirierte Modelle beweisen: Julbo erfindet hier ein Genre neu - und schreibt mit Innovationen ganze Kapitel der Geschichte der Sportbrille.

Julbo Prototyp
Julbo Home

Design und Entwicklung kommen aus Longchaumois bei Morez. Aus dem finalen Rendering wird ein Prototyp gebaut und vom Team getestet. Die Form einer Julbo ist deshalb nie ausschließlich Trenddesign - dass der stupende Fashion Chic jedoch nie auslässt und auch außerhalb der Sportwelt ankommt, zeigt die Home Collection, die klassisches Reisen mit alltagstauglichen Modellen bedient.

Wozu in Europa fertigen?

 

Global PlayerDie Kostenwettbewerbsfähigkeit in Europa ist schlecht. Seit der Finanzkrise gingen mehr als 3,8 Millionen Arbeitsplätze in der Industrie verloren. Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität hängen direkt davon ab, ob in Forschung und Innovation investiert wird. Dann kann ressourcenschonender und mit höherer Wertschöpfung - nachhaltiger - produzieren werden.

Hier zeigt sich die Stärke eines kleinen Familienbetriebes: Julbo hat sich notwendige Flexibilität, kurze Wege und direktes Marktecho erhalten können. Entwicklung und Design kommen vom Kernteam in Longchaumois, rund 90 Mitarbeiter sind hier beschäftigt. 75% der Fertigung findet in Europa, teils im vor 10 Jahren gegründeten Werk in Rumänien statt. Der Firmenstandort in den Bergen des Jura, direkt in der Natur und die Entwicklung eines starken Teamgedankens, auch zusammen mit der spannenden "Julbo-Family" (den Athleten) hält die Fachkräfte bei Laune und im Betrieb. Internationalisierung trägt zum weiteren Wachstum bei - Global Player zu werden ist erklärtes Ziel. Der Erfolg gibt Julbo recht: In den letzten 10 Jahren stieg der Umsatz um 300%.

 
Julbo Climbing
Julbo Vermont Classic

Iim Sommer oder Winter: Julbo Fashion Chic und pfiffige Details für jeden Zweck. Rechts die legendäre "Vermont" als 125 Jahre Replika.

 

Julbo Athleten

 

Härteste AnforderungenJulbo Athleten sind in den meisten Trendsportarten, bei denen Sonnenschutz ein Thema ist präsent. Eine "Happy Family" - jedenfalls Testimonials, die Fans der entsprechenden Sportarten begeistern. Die Julbo Brillen-Modelle werden so auf die exakten Anforderungen der Sportart ausgerichtet.

Da Sonnenbrillen nicht ausschließlich zum Schutz der Augen vor Sonne da sind, sondern auch vor Einwirkungen von Wind und Wetter, mechanischen Gefahren und Insekten schützen und die Sicht verbessern, ist nicht nur das Glas, sondern auch der Rahmen von Bedeutung. Die Form einer Julbo ist deshalb nie ausschließlich Trenddesign - dass der stupende Fashion Chic jedoch nie auslässt und auch außerhalb der Sportwelt ankommt, zeigt die Home Collection, die klassisches Reisen mit alltagstauglichen Modellen bedient.

Julbo Session Cape Horn
Julbo Session Cape Horn

Julbo Athleten sind in den meisten Trendsportarten präsent. Aus den Sessions, die einen Amateur mit einem ProfisportlerIn zusammenspannen, entstehen die legendären Julbo Videos.

Was bringt die Zukunft?

 

Silmo d´Or
Programm RX-TremLange Zeit gab es optische Sportbrillen einfach nicht; das hat sich geändert - nicht zuletzt sei das Innovatoren wie Julbo gedankt. Mit der Entwicklung des Produktprogramms RX-Trem, für das Julbo den Silmo d’Or erhielt sind zu 100% individuell angepasste Korrektur-Sportsonnenbrillen möglich geworden. Diese Hochleistungslösungen - in den Varianten NXT® (unzerbrechliches Glas) oder Kunststoff (Polycarbonat) - gibt es auch im Steppenwolf.

"Als Familienunternehmen haben wir keine Limits und großes Entwicklungspotenzial", sagt Christophe Beaud, einer der zwei Brüder in der Geschäftsleitung "Wir haben uns immer Kraft unserer Ziele weiter entwickelt. Wir haben noch sehr viel mehr vor, besonders in Bereichen wie rezeptpflichtige Sonnenbrillen mit Sehstärke. Technologie in diesem Bereich verbessert sich rasant. Unser Know How erweitert sich ständig - so wird die Modellreihe laufend größer."

 
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