Filmemacher und Fotograf Jakob Owens, Los Angeles, Kalifornien.
Foto: © 2017 Jakob Owens  directorjakobowens.com
 
 

Go with the Flow

  Am Anfang war es Urlaub... heute gehört es zu meinem Leben wie Eis essen im Sommer.   Text: Isabella Falter
 

Von ihrer Homebase Wien aus erkundet Reisebloggerin Isabella Falter die verschiedenen Ecken der Welt. "Reisen, ohne auf der Suche zu sein", sagt sie, "ist purer Genuss." Mit wenig Gepäck und ohne Selbstfindungsbefindlichkeiten reist es sich einfach glücklicher.

Angefangen hat alles 2007. Mein erster Interrailtrip quer durch Spanien gemeinsam mit einer Freundin, ohne Eltern. Dort hat es mich zum ersten Mal besucht, das Gefühl der grenzenlosen Freiheit. Von den wunderschönen Flowzuständen ganz zu schweigen. Aber auch der Angst, die entsteht, wenn man sich aus der eigenen Komfortzone rauswagt, sagte ich auf dieser Reise das erste Mal Hallo. Seitdem ist es nicht mehr wegzudenken aus meinem Leben – das Backpacken.

Welcome to South East Asia

Sicher kann man nicht ganz Europa in einen Topf werfen, es läuft hier aber alles sehr geordnet und in geregelten Bahnen ab. Das wurde mir so richtig bewusst, als ich meine erste Solo-Reise nach Thailand unternahm. Kultur- und Temperaturschock inklusive. Beim Ankommen und beim Heimkommen gleichermaßen. Von winterlich kalt, grau und europäisch geordnet auf heiß, bunt, quirlig und chaotisch – Welcome to South East Asia!

 
Thailand - Strand mit TukTuk und Booten
BBQ am Strand in Thailand
Fotos: © 2017 Isabella Falter
 

Eintauchen in fremde Welten

Fremde Gerüche an jeder Ecke, bunte, tropische Früchte an jedem Straßenstand - und die Luft wirkt fast flüssig vor lauter Feuchtigkeit und Hitze. Der Lärm und das Hupen der Tuk Tuks, Mopeds und Autos sowie die Anpreisungen des Essens der StraßenverkäuferInnen vermischen sich zu einem einzigen, quirligen Lärmbrei.

Überhaupt noch nie gesehen, gehört, gerochen, geschmeckt! Das empfinde ich so ungefähr alle zehn Minuten, als ich durch die Straßen Bangkoks schlendere. Und genau diese Neugierde auf das Andersartige, diese Aufregung Neues zu entdecken, den eigenen Horizont zu erweitern, inspirierende Leute zu treffen, das ist es, was Reisen für mich ausmacht. Die Angst, dass ich nicht von A nach B kommen werde, weil ich diese Hektik nicht kenne, geschweige denn die Sprache verstehe und den Fahrplan lesen kann - oder dass ich mir mit dem Essen den Magen verderben könnte, all das gehört genauso zu einer guten Reise. Hotelbuffet und Taxi kann schließlich jede(r).

Man gewöhnt sich an (fast) alles

Trotz des auf den ersten Blick unübersichtlichen Chaos in asiatischen und mittelamerikanischen Ländern hat doch jedes Land seine eigene Ordnung und die Dinge sind sehr wohl geregelt.

Oft erst auf den zweiten oder dritten Blick ersichtlich, vor allem wenn es um Straßenverkehr in Asien oder Busverkehr in Mittelamerika geht. Hat man aber seinen doch sehr europäischen (und wohl auch etwas verkrampften) Wunsch nach Pünktlichkeit und Ordnung erst einmal abgelegt, findet man sich im "Chaos" erstaunlich gut zurecht. Genauso wie sich der Magen mit der Zeit an vieles gewöhnt. Was anfangs noch tagelanges auf-der-Toilette-Sitzen bedeutet, wird irgendwann zum Hochgenuss.

 
Tagelanges auf der Toilette Sitzen
Fisch auf thailändischem Markt
Foto: WC © 2017 Isabella Falter, Fisch auf thailändischem Markt © 2017 Pail Morris
 

Traum von der mehrmonatigen Weltreise

Diese faszinierende Fremdartigkeit, die eine längere Reise mit sich bringt, brennt sich als großes Abenteuer ein. Ein Abenteuer, das man immer und immer wieder erleben will. Ausbrechen aus der Komfortzone, dem Alltag entfliehen. Der Stillstand kann daheim bleiben! Go with the Flow ist die Devise!

Er lässt sich mit erstaunlich wenig finanziellen Mitteln verwirklichen, der Traum von der mehrmonatigen Weltreise. Zumindest dann, wenn man mit Mittelklasse Komfort zufrieden ist. Dazu gehört ein viel zu vollgestopfter Bus genauso wie manchmal ein paar Bettwanzen und schnarchende Mitreisende. Als Ausgleich erlebt man die Länder sehr authentisch und wenig wird verfälscht.

Reise mit leichtem Gepäck

Die Wichtigkeit von Mode oder sonstigem Schnickschnack wird auf einer solchen Reise sehr schnell zur Nebensache. Wenn das eigene Gewand monatelang nur mit kaltem Wasser gewaschen werden kann, wird man plötzlich sehr genügsam.

Auf einmal sind drei Shirts und zwei Hosen mehr als genug. Socken sind sowieso Schnee von gestern. Deo wird definitiv überbewertet, vor allem wenn der Schweiß dank tropischer Temperaturen in unaufhaltsamen Bächen rinnt.

Ganz genügsam und schnörkellos: So lebt es sich sowieso am glücklichsten. Ich habe das Gefühl, je leichter mein Gepäck ist, desto leichter fühle ich mich selbst auf den Wegen meiner Reisen. Nicht nur des Gewichtes meines Rucksacks wegen.

 
Je leichetr mein Gepäck - desto leichter fühle ich mich selbst
Reiseboggerin Isabella Falter - Flow
Fotos: © 2017 Isabella Falter
 

Nur wer gut verwurzelt ist, kann hoch hinauswachsen

Oft wird eine lange Reise mit Orientierungslosigkeit oder Selbstfindung abgetan. Bevor man bereit ist fürs "echte" Leben, sollte man noch mal ordentlich auf Reisen gehen. So macht man das in unseren Breitengraden der Generation Y. Am besten gleich nach der Uni ein halbes Jahr auf Weltreise, danach bleibt ja bestimmt vor lauter Karriere und Kindern keine Zeit mehr.

Ist ja auch oft garnichtmal so unwahr, nur klärt sich meiner Erfahrung nach durch eine lange Reise nicht wirklich, was man denn in seinem "eigentlichen" Leben so anfangen möchte. Da man ständig von Äußerlichkeiten und vielen neuen Eindrücken unterhalten und abgelenkt ist, rückt das Leben zu Hause ganz weit weg. Und bleibt aber gleichzeitig doch so nah. Dank digitaler Kommunikationsmöglichkeiten lässt sich die räumliche Distanz zumindest gefühlsmäßig etwas verringern. Und man wartet weiterhin auf ein Wunder oder eine höhere Eingebung ... sofern man überhaupt auf der Suche ist.

Denn was, wenn man sich selbst so weit mag und auch ungefähr weiß, was man will? Wenn man sich im Leben schon ganz gut orientiert hat? Mal ganz von der Frage abgesehen, ob man das überhaupt muss? In irgendeiner Weise schon, wenn man bei uns glücklich sein möchte. Reisen, ohne auf der Suche zu sein. Das ist purer Genuss. Kenne deine Wurzeln, damit du nach den Sternen greifen kannst!

 
Robson Hatsukami Robson via Unsplash
Foto: © 2017 Robson Hatsukami Morgan