Die Kiwi Card - Macpac hebt ab

 Text: D. Steiner  Fotos: Macpac® (Lead, 6,9,10,11,12,15), Lesley/Flickr (1, CC BY-NC 2.0), The "James" Macpac Mountainman (2,3,4), Jamling Tenzing (5, CC BY-SA 3.0), Wikipedia - Archives NZ (6,CC BY-SA 2.0), Steppenwolf Wien (13,14,16), Steppenwolf Bonn, Watotowema (17)
 

Macpac ist Neuseeland. Eine geglückte Verbindung zwischen Marke und Land. Macpac ist zudem eine schräge Familiensaga: alle im neuseeländischen Outdoor-Business kennen sich. Damit haben die großen ozeanischen Brands Kathmandu, Fairydown, Mouton Noir und Macpac einiges gemeinsam...

Tasman Valley und Mt. Cook
The James Macpac Mountainman
The James Macpac Mountainman
The James Macpac Mountainman

Natur pur – in der Wildnis ein Macpac Zelt, an dem Sanja Erfrischungen reicht – Highways für Schafe: Das ist Neuseeland, wenn man am jährlichen The James Macpac Mountainman teilnimmt: 2km schwimmen oder 10km Kajak + 100km MTB + einen 50km Cross Country Lauf. – Tough enough? Nächster Sommer :) Termin: 30.1.2016 - 6:00 – The "James" Macpac Mountainman

Kathmandu

 
Was ist Leben, wenn nicht ein Abenteuer?Schwere Rucksäcke, nasse Wollsachen, verschwitztes Ölzeug - das war Outdoor Mitte der 80er. Kein Wunder, daß die Kathmandu Gründer vom Wunsch getrieben waren, "neue, schnell trocknende Funktions-Materialien wie Fleece zu verwenden, die bequemer, praxistauglicher und den örtlichen Bedingungen besser angepasst wären." sagt Kathmandu. Eine zweite Gründerstory weicht davon ab und erzählte von einer Medizinstudentin, die im Hinterzimmer, allein mit ihrer Nähmaschine für sich und ihre Freunde die erste Kathmandu-Fashion nähte. Beiden Geschichten ist gemeinsam, dass der Name der Gründerin nicht genannt wird - obwohl sie eine der schillerndsten Figuren Neuseelands ist.

 
Hillary und Tenzing
Der berühmteste Fairydown Schlafsack

Sir Edmund Hillary und Tenzing Norgay: Pioniere, die eine Generation beflügelt haben. Der Fairydown Schlafsack - mit handschriftlicher Widmung - der Mount Everest Erstbesteigung am 29. Mai 1953 wird in Christchurch ausgestellt wie eine Ikone. Die Nachfolgemodelle werden seit 2008 unter Macpac´s Zeichen gefertigt.

Fairydown

 

A bit on the chilly sideFairydown erzeugte um die Jahrhundertwende Bettwaren, dann Schlafsäcke - wird rasch zur neuseeländischen Institution und gehört heute zu Macpac. Sir Edmund Hillary und Tenzing Norgay schliefen bei der Erstbesteigung des Mount Everest in Fairydown Daunenschlafsäcken "At our highest camp at 28.000ft it was a bit on the chilly side."

"The Brand name that took hillary to the top goes back in the closet." – steht wenige Jahrzehnte später in "The Telegraph". Was war geschehen - und wie kam das 1973 gegründe Macpac zum 1877 gegründeten Traditionshaus Fairydown?

 
 
 

Mouton Noir - schwarzes Schaf. Die Mouton Noir Ltd. vereint die Outdoor Brands Neuseelands unter dem Macpac-Dach in durchaus überaschender Weise; Jan Cameron, einstmals härteste Konkurrentin und tierliebe Philanthropin, ist mit an Bord. Im Video sieht man sie bei der Eröffnung des "Devil Island" 2010. Der vom Aussterben bedrohten Tierart spendete sie ein 25 ha großes, umzäuntes Gebiet.

Mouton Noir

 

Das schwarze SchafCampbell Junor, Bernard Wicht und Pierre van Noorden fügen die Fäden zusammen.

Campbell Junor – Mehr als 20 Jahre Erfahrung mit Funktionskleidung bei Fairydown und Kathmandu lassen ihn die die hippe-betörende Macpac Designlinie entwerfen. Junor wird Creative Director und Teilhaber von Macpac sein. Inzwischen entwickelt er Alchemy Equipment.

Pierre van Noorden – kommt von Kathmandu und kauft Fairydown von Alp Sports - einer weiteren Top-Marke der geheimnisvollen Medizinstudentin. Er wird die Retail-Strategie von Macpac reformieren.

Bernard Wicht – Der Schweizer ist Ex-Partner und Ex-Ehemann der geheimnisvollen Medizinstudentin und Mitgründer des neuseeländischen Outdoorhändlers Bivouac.

Die geheimnisvolle Medizinstudentin – hat Kathmandu verkauft und wird bei Macpac einsteigen, sobald eine Konkurrenzklausel hinfällig ist - letztendlich also beim ehemaligen Konkurrenten landen.

Mouton Noir leistet sich einen Schnitzer, – nämlich Fairydown in Australian umbranden und als "Zone" verkaufen zu wollen. Die Elfendaune ist nicht maskulin genug. Die Sache geht nach hinten los - sogar Sir Hillary meldet sich zu Wort: Er sei stolz, eine Fairydown Jacke zu besitzen. Der Kauf von Macpac wird die Sache gerade biegen. Alle Fairydown Outdoor-Shops in Australien und Neuseeland werden auf Macpac gebrandet.

Macpac Zelt
Macpac Fashion

Macpac ist heute global Player - und Komplettanbieter vom Zelt über den Schlafsack bis zu technischer Bekleidung. Geschafft hat das der expeditionsorientierte "Hardcore" Rucksackhersteller durch Mouton Noir, das die innovativsten und traditionsreichsten Brands Neuseelands und ihr Know-how zusammengefügt hat.

Die Seele der Outdoor-Brands

 

Ein Gründer steigt aus Bruce McIntyre gründet die Seven Oaks School und ist bis heute im pädagogischen Bereich tätig. Er hat zur Mitte gefunden. Jahrelang war er nicht nur in der Produktion außergewöhnlichen Outdoor-Equipments, sondern zunehmend auch in Modellen der Zusammenarbeit und Mitarbeiterförderung innovativ: "Da wir Angst haben unserer inneren Stimme zu vertrauen, halten wir uns an führende Institutionen und lassen uns von ihnen sagen, was wir tun und was wir lassen sollen. Mein Ziel ist, die Erziehung wegzubringen vom Fokus, unsere Kinder zu gedankenlosen Mitläufern nach vergangenen Ideen zu erziehen: eine Ermutigung und Inspiration, die Welt zu entdecken, wie sie wirklich ist." (Quelle: TEDx, Christchurch) Ein Video gibt es hier zu sehen.

2008 verkauft Bruce McIntyre Macpac an Mouton Noir. Im Grunde verkauft er an die Konkurrenz - und ebnet Jan Cameron - der geheimnisvollen Medizinstudentin - den Weg. Jan Cameron, die geniale Strategin, Geschäftsfrau und tierliebe Philanthropin ist eine der reichsten Frauen Australiens.

Kompromissloser ExtrembereichMacpac bleibt ein Juwel. Die Seele jedes Outdoor-Brands ist der kompromisslose Extrembereich, die Expedition, das Abenteuer. Brands ohne diesen Kern verlieren Dynamik und Farbe. Macpac hat den Kern gebracht, um den die weltgewandten und erfahrenen Outdoorprofis von Mouton Noir ihre Produktlinie aufrollen können. Sie tun dies in einer Weise, die auch hartgesottenen Macpac Fans Respekt abringt. Jan Cameron und Mouton Noir haben Macpac ein Stück authentischer Performance zurückgebracht.

 
 
Macpac historisches Label
Macpac Torre Eger

Mit Geoff und Shelley Gabites kam die Wilderness zu Macpac - mit dem "Torre Eger" kam der Erfolg. Für einen "Torre Eger Rucksack" hätte die eine oder andere Expedition ihr letztes Hemd gegeben.

Macpac - wie alles begann

 

Charlie McCormicks Reparaturservice Bruce McIntyre bricht 1973 sein Studium ab und startet kaum 19jährig mit geborgten $2700 ein Unternehmen. Den Markennamen, die Maschinen zur Produktion kauft er vom kleinen Taschenproduzenten und Reparaturservice Charlie McCormick. Nähen lernt er vom Vater, der neben ihm in der Garage selbst Taschen fertigt.

Wilderness Product McIntyre verkauft seine ersten Rucksäcke an Läden in der Umgebung - einer der Verkäufer ist Geoff Gabites. Der fertigt selbst - in Heimarbeit - mit seiner Frau Shelley Outdoor-Kleidung und Schlafsäcke. Man schließt sich zusammen. Mit den Gabites kamen die "Wilderness Products" zu Macpac. Damit war die "Macpac Wilderness Equipment Ltd." komplett.

Im Rucksack biwakieren Macpacs Ruf und Erfolg beginnt mit dem "Torre Eger", dem ersten Innengestellrucksack in Ozeanien. Neben dem einzigartigen Stoff - der bald zum legendären AzTec® modifiziert werden wird, ist dieser Rucksack ideenreich und kompromisslos bis in das kleinste Detail - kann etwa zum Biwaksack vergrössert werden, in den man mit dem Schlafsack schlüpft. Macpac wird unter Bergsteigern populär, liefert das Modell aber auch in alltagstauglichen Versionen für Wander- und Reisezwecke aus.

1978 startete Macpac in Australien - Erfolg und Misserfolg liegen eng beeinander. Heute schlagende Handelsabkommen gibt es nicht. Macpac wächst rasant, aber der der Ausflug wird teuer und ineffizient. Trotz erheblicher Bemühung kann man in den USA nicht recht Fuß fassen. Zu uns kommt Macpac 1987 über die Niederlande und die Schweiz.

 
Raffael
Tricking
Macpac Kahu

Raffael arbeitet seit kurzem im Steppenwolf - hier trägt er "Makake" - sein Sport ist Tricking. Jetzt hat er einen Daypack gebraucht, hauptsächlich um in die Arbeit zu radeln. Im Steppenwolf-Laden ist die Auswahl groß - entschieden hat er sich für einen Macpac Kahu 22 aus AzTec® - "Kahu" heißt Falke. "Das Material ist super angenehm. Ein 17" Laptop passt rein und der Radhelm auch - die geheime Tasche ist super." Befestigungen außen gehen ihm zwar ein bißchen ab "dafür ist das Design aerodynamisch." – Genau so erleben wir das immer wieder: Wer den legendären Macpac Stoff Aztec® angefasst hat, vergißt ihn erstens nicht - und möchte ihn zweitens bald haben.

Wie der Steppenwolf auf den Macpac kam

 

Die Outdoor Insider 1991 eröffnet Steppenwolf in Wien. Zusammen mit unabhängigen Fachgeschäften in Deutschland gründet man eine freie Einkaufsgemeinschaft - die "Outdoor Insider". Zusammen besucht man Messen und druckt umfangreiche Kataloge. In Wien ist der Steppenwolf Katalog Aufbruch in eine vielfältige Outdoor-Zukunft. Plötzlich gab es mehr als klassischen, traditionellen Bergsport und einen Warenkatalog der Reportagen, Tipps und Erfahrungsberichte gleich mitlieferte.

Messebegegnung mit Bruce McIntyre "Als ich Bruce Mitte der 90er das erste mal traf, war er knapp 40 Jahre alt und ich war begeistert, dass er bereits mit 19 alleine seine extrem robusten Rucksäcke genäht hat.", sagt Michi. Warum man als erster Shop in Wien und seither durchgehend Macpac anbietet, liegt am Textil. AzTec® machte Macpac populär. AzTec® hatte 1991 keine Entsprechung am Markt und ist heute noch einzigartig. AzTec® muss man fühlen. Die mit Baumwolle ummantelten Fäden bestechen durch matte Optik und textilen Griff. Der Stoff ist etwas schwerer als herkömmlicher, wirkt aber auch robuster und wertiger. Wird AzTec® nass, sorgt die bei Feuchtigkeit quellende Baumwolle für erhöhte Wasserdichtheit.

 
Steppenwolf Kataloge - Scan 1991
Steppenwolf gibts auch in Bonn

Steppenwolf ist das Ergebnis eines Brainstormings auf Kreta. In der Anfangszeit war man bei den "Outdoor Insidern" mit dabei, einer Einkaufsgemeinschaft, die Konditionen verbessern und Projekte wie z.B. umfangreiche Kataloge ermöglichen konnte. Für Wien waren die "Outdoor Insider Kataloge" prägend. In Deutschland gibt es nach wie vor zusammengeschlossene Fachgeschäfte unter diesem Label. Übrigens auch einen Steppenwolf - mit blauem Logo - in Bonn.

 

Harte Jahre für Macpac

 

Globalisierung2001 begann der Einbruch gerade des Marktsegments, indem Macpac groß war. Die stark Fashion-orientierte Seite des Outdoor-Marktes wuchs zwar weiter, aber die kompromisslose Funktionslinie war weniger gefragt.

Die Nachfrage bleibt ausMacpac war ein Top-Brand mit allerbester Reputation. Man kannte Macpac für höchste Qualität. Die Nachfrage blieb jedoch aus. Der Trend ging zu Fashion-Brands und softeren Linien. Früher hatte Bruce McIntyre über Kathmandu gespöttelt: "Kathmandu spricht nur die Möchtegern-Entdecker an - ihre einzige Entdeckung bleibt dann auch die Kathmandu Jacke, die sie in der Shopping Mall kaufen." - jetzt zieht selbst dieser Konkurrent mit aggressiver Preispolitik und breitenwirksamer Linie davon.

OffshoreMacpac muss handeln: Als einer der letzten der Branche zieht er die Produktion aus Neuseeland ab und startet "Offshore". Von 250 Mitarbeitern bleiben 60. In Neuseeland hatte man eine effiziente Fabrik mit modernster Technologie - nun plötzlich 7 Produktionsorte mit alten Maschinen und wechselnder Qualität. Die neuen Herausforderungen: Kommunikation, Wechselkurse, Logistik, Qualitätskontrolle.

Design mattersMacpac konzentriert sich auf Design - deutlich wird klar, daß der hochentwickelte Markt eine Konzentration auf Style verlangt. Frische Ideen werden auf die Funktion aufgesetzt. Denn obwohl Design von Beginn an ein wichtiger Punkt und nicht zuletzt Alleinstellungsmerkmal bei Macpac war, hatte sich der Focus doch unbemerkt verschoben und man hatte begonnen, Markttrends zu verschlafen: Jetzt kommen einerseits stärker alltagstaugliche Macpacs, die Macpac-Ikonen andererseits werden in Details verbessert und ausgefeilt überarbeitet. Sie wirken nun auch optisch wie aus einem Guss und sind bestechend klar gezeichnet. AzTec® erlebt ein Revival.

Wer höchste Qualität in Material und Verarbeitung, das hippe Design, den Ideenreichtum schätzt, erwirbt mit einem Macpac einen einzigartigen Exoten. Und ist - der "Kiwi Karte" gedankt - immer eine Saison voraus.

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