Cabin in the Woods Teil 2 - Walden

Walden, Thoreau Rezeption heute
 

"Gegen Ende März 1845 borgte ich mir eine Axt, ging hinunter in den Wald zum Waldenteich, in dessen unmittelbarer Nähe ich mir ein Haus zu bauen beabsichtigte, und fing mit dem Schlagen einiger hoch aufgeschlossener, noch junger Weißtannen an, die mir zu Bauholz dienen sollten." 31

So beginnt das Opus Magnus eines bescheidenen Mannes, der vom Sonderling zum Nationaldichter der USA werden sollte. Eine schräge Collage, die querbeet durch alle Themen des Alltags die 1845 in Walden berührt haben mögen, eine Schneise aus Witz und Spott schlägt.

Es klingt einmal ganz so, wie der durchschnittliche Nachhaltigkeitsblog heute - Live Simply, Work-Life-Balance, Zero Waste, Tiny Homes, Worn Wear, DIY - diese Themen bloggte Walden sozusagen schon 1845 - und einen Bart hatte er auch.

 
Patagonia®, Foto: Craig
Sie schlug sich in die Wälder und verwilderte ...
 

Im April 1845 war das tragende Gerüst von Thoreaus Hütte fertig, aber noch nicht aufgerichtet. Thoreau war ein geschickter Zimmermann. Wie immer in Walden fehlte ihm jedoch eine gewisse Ernsthaftigkeit. Während andere (Roman)helden seiner Zeit an ernster Rechtschaffenheit schwer trugen, ist Thoreau nur Teilzeitaussteiger, ein Selbstversorger, der sich die Wäsche im Ort waschen lässt und auswärts essen geht, ein Eremit der Besuch empfängt und auch sonst häufig in Concord unterwegs ist.

Für die Bretter ließ er sich also auch nichts einfallen, sondern kaufte das Haus eines irischen Arbeiters. Das wurde ihm besonders schmackhaft gemacht, - und er besichtigt es:

"Türschwelle war keine da, nur unter dem Türbrett ein stets offener Durchgang für die Hennen ... Das Fenster, das ursprünglich 2 Scheiben hatte, wurde neuerdings von der Katze als Durchgang benutzt.

Ein Ofen war noch da, ein Bett, ein Sitzplatz, ein Kind, das in dem Haus geboren worden war, ein seidener Regenschirm, ein Spiegel mit Goldrahmen und eine neue an ein junges Eichenbäumchen hingenagelte Patentkaffeemühle, das war alles."

Thoreau zahlte $29, heute etwa €700. Die irische Familie hatte das Haus bis 5 Uhr zu räumen und durfte es bis dahin nicht noch einmal verkaufen.

"Um 6 Uhr begegnete ich (ihnen) auf der Landstraße. Ein großes Bündel enthielt ihr alles: Bett, Kaffeemühle, Spiegel, Hennen - nur nicht die Katze. Sie schlug sich in die Wälder, verwilderte und trat, wie ich später erfuhr in eine für Murmeltiere gestellte Falle. 33"

 
Walden Cabin Replika
Thoreaus Hütte (Replika) am ...
 

Anfang Mai stellte Thoreau mithilfe eines Arbeiters das Gerüst auf und begann es zu beplanken, am 4. Juli bezog er das bis auf den Kamin fertige Haus. Bevor dieser gebaut war, kochte er an einer offenen Feuerstelle vor dem Haus; bei Regen in einem Bretterverschlag.

Thoreau bebaut rund 1300 m2 Grund, fängt Fische und schlachtet auch einmal ein Murmeltier. Bald lebt er eher intuitiv von Pflanzennahrung, sieht aber weiterhin die Jagd als einen sinnvollen Entwicklungsschritt und Lehrmeister. Er findet praktische Gründe, die Reinheit vegetarischer Kost der Fleischnahrung vorzuziehen.

Wer immer ein Huhn nicht in der Kühltasse gekauft hat, sonder rupft und ausnimmt, weiß, was gemeint ist. Thoreau macht eine Rechnung auf und Fleisch schneidet da einfach schlecht ab und spöttelt über die landläufige Meinung:

"Ein Farmer erklärte mir: Sie können nicht von vegetarischer Nahrung allein leben, denn sie enthält nichts für den Knochenbau - und so weiht er andachtsvoll einen Teil seines Tages der Beschäftigung, seine Konstitution mit dem Rohmaterial für Knochen zu versehen; und während er mir vordoziert, geht er hinter seinen Ochsen her, die mit ihren vegetarisch aufgebauten Knochen ihn mitsamt seinem wackeren Pflug, trotz aller Hindernisse, herüber und hinüberschleudern." 6

Neben Äpfeln, Kastanien, Beeren, Erdnüssen, Kartoffeln, Bohnen, grünen Maiskolben und Portulak, ein Wildgemüse, das heute wiederentdeckt wird, bäckt er Brot "aus reinem Maisschrot und Salz, echte Maismehlkuchen, die ich an meinem Feuer im Freien auf einer Schindel oder einem Stück abgesägten Bauholz, das vom Hausbau übrig war, zu backen pflegte" und ein einfaches Roggen-Maismischbrot.

Mit 6 Wochen Arbeit im Jahr lobt er sich, kann ein Mann sich ernähren und findet zu einem Résumé über alle Bemühung, durch Aufwand Bedarf zu erzeugen, der gestillt werden will "Mache deinen Lebensunterhalt nicht zum Gewerbe, sondern zum Spiel. Genieße das Land, doch besitze es nicht. Aus Mangel an Mut und Vertrauen sind die Menschen dahin gelangt, wo sie jetzt sind, sie kaufen und verkaufen und verbringen ihr Leben gleich Leibeigenen." 163

 
Walden See
... am Walden See
 

Die Waldenhütte lag am Waldrand auf einem Hügel, knapp 10 m vom Teich entfernt. Ein Fußpfad führte hinunter. Gegenüber, 180 m entfernt, berührte die Bahnlinie den Teich. Das Pfeifen der Lokomotive war Sommers wie Winters zu hören. Über den Dammweg ging Thoreau meist zur Stadt.

Die Einrichtung der Hütte war schlicht und er beschreibt das Wohlgefühl, wenn alle sein Besitz draußen im Gras steht, während er den Fußboden scheuert. Er hatte drei Stühle im Haus, "einen für die Einsamkeit, zwei für die Freundschaft, drei für Gesellschaft. Wenn Besucher in größerer, unerwarteter Anzahl kamen, so war für sie alle nur der dritte Stuhl da."

Der Waldensee ist nicht so eindrucksvoll, wie man erwarten mag. So sehr Thoreau ihn liebt und detailreich schildert, bleibt er realistisch: Die Umgebung sei in bescheidenem Maßstab angelegt und könne, obgleich sie sehr schön sei, auf die Bezeichnung "großartig" keinen Anspruch machen. 140

Gegen November baut er seinen Kamin aus Backsteinen. Innen verputzt er das Haus, außen wird es durch Schindeln isoliert.

Der Winter bringt ihn zu vertieften Schilderungen der Natur, er beginnt mit der Vermessung des Sees - wie selten einer die Tiefe eines Sees nachmisst, vermerkt er, und lieber sagt, er sei "unergründlich".

 
Kochen am offenen Feuer
Kochen, ein poetisches Ereignis ...
 

Das Feuer brannte tagsüber, bei Schneedecke war Thoreau die meiste Zeit mit Brennholzsammeln beschäftigt. Aus Sparsamkeitsrücksichten, wie er es nennt, nützte er im zweiten Jahr einen Kochofen.

"Das Kochen war nun kein poetisches Ereignis mehr, sondern ein chemischer Vorgang. Es wird in dieser Zeit der Sparherde bald vergessen sein, dass wir, gleich den Indianern, unsere Kartoffeln in der Asche zu braten pflegten.

Der Ofen nahm nicht nur Platz weg und teilte dem Haus Geruch mit, sondern er verbarg auch das Feuer, und ich hatte das Gefühl, als ob ich einen Freund verloren hätte."

Die anderen Freunde - die Waldtiere, der Wald, der See. Trotzdem vermerkt er, wenn drei Wochen kein Besuch kommt. Walden wird eine sehr gesellige Hütte gewesen sein.

Mit dem Frühling - Walden war tot und ist wieder lebendig geworden 251kam das zweite Jahr.

"Nur ein Häutchen der Kugel auf welcher wir leben ist uns bekannt. ... Wir wissen nicht, wo wir sind. Überdies liegen wir fast unsere halbe Zeit in festem Schlafe. Dennoch halten wir uns für gescheit und haben eine fest gefügte Ordnung auf der Oberfläche. 268

Nur im Forschen nach Wahrheit sind wir unsterblich. Thoreau setzt auf die Entdeckung des Selbst. Reise, solange du nichts Besseres vorhast, sagt er, bevor du deine Innenwelt bereisen kannst. Lebe den Augenblick im Armenhaus oder im Palast, er gibt dir die gleiche Morgensonne. Verwirkliche deine Träume, sie werden dir den Weg ebnen: Erkenne dich selbst.

"Unser Name stammt übrigens von einem rund 160 Jahre alten Buch-Klassiker. Seine einfache Botschaft lautet: Draußen wartet mehr auf uns. Wir müssen nur wieder einmal aufbrechen. Willkommen unterwegs! " sagt das Männermagazin Walden aus dem GEO Verlag G+J

"Waldenity ist ein Lebensgefühl, tief in uns verankert: die Sehnsucht nach Natur und Authentizität. Unser Motto lautet „Raus aus dem Großstadtdschungel, rauf auf den Berg“." sagt der Möbelhersteller Walden.

"Das Licht, das unsere Augen erlöschen macht, ist Dunkelheit für uns. Nur der Tag bricht an, für den wir wach sind. Noch mehr Tag harrt des Anbruchs. Die Sonne ist nur ein Morgenstern", sagt Henry David Thoreau.

Thoreau verließ Walden am 6. September 1847.

 

Fortsetzung folgt

Teil 1 findest du hier: Cabin in the woods - Henry D. Thoreau

 

Zitate aus antiquarischer Ausgabe in der Übersetzung von Emma Emmerich, München 1897, Verlag Concord - hochgestellt die Setenzahl

Fotos: Hütte im Schnee: Paul Itkin, Katze: Patagonia®, Craig, Thoreaus Hütte, Replika: Rhythmic Quietude / Wikipedia, CC BY-SA 3.0, Walden See: ptwo / Ekabhishek, Wikipedia, CC BY 2.0, Feuer: Tikkho Maciel

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