Von der Rooftop-Bar in klitzekleine Stroh-Bungalows

Ausangate-Trek

Nach unzähligen Stränden in Brasilien, Kletterausflügen in Bolivien, eisigen Nächten in der Salar de Uyuni und der Grenzen aufzeigenden Besteigung des Huayna Potosí entschieden sich Veri & Ralf eine kleine Auszeit zu nehmen und suchten Arbeit in Cusco, in Peru. Kurzerhand eröffneten sie eine Rooftop-Bar eines Guesthouse, um dort nach getaner Arbeit Halloween zu zelebrieren. Während ihrer Wochen in Cusco ist es ihr Plan mehrere Treks auf eigene Faust durchzuführen. Die zwei beschlossen so bald wie möglich, noch vor der herannahenden Regenzeit (mit jeder Menge Schneestürmen in der Höhe) zu starten:

„Da unsere Glückssträhne ja irgendwann mal zu Ende gehen musste, fiel unser erster Startversuch aufgrund einer mehrtägigen Regenphase aber ins Wasser…“

Startversuch Nummer 2 fand aufgrund einer Magenverstimmung gleich gar nicht statt und führte auch zu Abbruch von Startversuch Nummer 3, da es nach Veri auch Ralf erwischte – wir spulen jetzt um einige Tage nach vor, da ihr von denen wahrscheinlich weniger wissen wollt, zu Startversuch Nummer 4 und lassen das anfängliche Duo selbst erzählen:

Ausangate-Trek: 5-tägige Wanderung rund um den vierthöchsten Berg Perus mit 6.384 m

Ausangate-Trek
 

Tag 1

„Pumperlgsund verlassen wir Cusco um 4 Uhr morgens und fahren mit einem öffentlichen Bus in das kleine Dorf Tinki, von wo aus wir unser Abenteuer angehen. Schon nach den ersten Schritten kommt ein süßer schwarzer Hund auf uns zu und scheint uns begleiten zu wollen. So schlendern wir zu dritt nebeneinander her und nach nur wenigen Stunden und mehreren Versuchen sie abzuwimmeln akzeptieren wir, dass diese Hündin an unserer Seite bleiben wird und taufen unsere neue Gefährtin Susi.“

Ausangate-Trek
 
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„Während Peruaner und ihre Häuser immer rarer werden, nimmt das Auftreten von Lamas, Alpacas und Vicuñas nach und nach zu und wir tauchen mehr und mehr in die wunderschöne Natur der Cordillera Vilcanota ein. Nachdem uns, wie erwartet, nachmittags der Regen einholt schlagen wir schon früher als geplant unser Zelt auf und auch die liebe Susi findet ein feines Plätzchen direkt neben uns.“

 

Tag 2 – Wie aus dem Dreiergespann eine feine Knickerbocker-Banden-große Crew wurde

„6 Uhr morgens – Wir öffnen unser Zelt, um von der in der Morgensonne glitzernden Südseite des Ausangate, begrüßt zu werden.“

Ausangate-Trek
 

„Umgehend starten wir unsere heutige Route und nehmen unseren ersten Pass in Angriff, den 4.850 m hohen Arapa-Pass. Die Natur zeigt sich nach einem überwältigendem Sonnenaufgang von ihrer besten Seite und bietet uns magische Panoramen.“

Ausangate-Trek
 
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„Nach nur wenigen Stunden ist diese erste Hürde bezwungen und auch die Regenkleidung findet wieder ihren Sinn. Um nicht durchnässt zu werden legen wir eine kurze Wetterpause ein. Gerade als wir wieder aufbrechen wollen kommt eine junge Amerikanerin namens Kenza erschöpft auf uns zu und erzählt, dass sie gerade beinahe von einem Peruaner beraubt worden ist.

Nachdem der junge Herr ihr auf dem Trek Gesellschaft geleistet hatte, stellte er den Versuch an sie zu küssen, was Kenza sofort abwehrte. Noch bevor sie begreifen konnte was gerade passiert, griff der Fremde grob nach ihrem Rucksack. Das Ganze endete in einem kurzweiligen Kampf um Kenza's Gepäck, welchen sie glücklicherweise gewann. Sofort machte sie sich wieder auf den Weg und ordnete den Peruaner lautstark und erzürnt an sie umgehend in Frieden zu lassen.

Anmerkung: Wir hatten auf unserer bisherigen Reise schon unzählige Male das Vergnügen auf Locals (egal ob in Peru oder Bolivien) zu treffen, welche ausnahmslos die Freundlichkeit in Person waren. Wege werden erklärt, Tees werden angeboten und gegenseitiger Respekt wird gezeigt! Es ist uns an dieser Stelle sehr wichtig zu betonen, dass dieser junge Peruaner in unseren Erfahrungen auf jeden Fall eine Ausnahme war!!!“

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„Einige Stunden später erreichen wir den wunderschönen türkisfarbenen Puqa Q'ocha Lake auf 4.556 m und finden dort vier klitzekleine Stroh-Bungalows, welche wir als Lama-Fütter-Hütten interpretieren. Da diese leer stehen und wir ohnehin Schutz vor den sehr unangenehmen Windstößen suchen, erklären wir diese Bungalows offiziell als Schutz-Bungalows für vor Windböen schutzsuchende Hiker an und bauen unsere Zelte darin auf.“

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Tag 3

„Zu Tagesanbruch nehmen wir inmitten eines unbeschreiblich märchenhaften Terrains ein kleines, aber feines Frühstück zu uns und machen uns anschliessend auf den Weg.“

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„Zuerst geht es über unseren zweiten Pass, den Apuchata (4.900 m), zum blaugrünen Lake Ausangate, welcher von der Schneeschmelze des dahinter hochragenden Ausangate gespeist wird und wiederholt riesige Eisbrocken in den darunterliegenden Gletschersee spuckt.

Susi beschützt uns am Weg immer wieder von heranlaufenden bellenden Hunden (insgesamt sicher 40) und bleibt stets an unserer Seite.“

Ausangate-Trek
 
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„Nun geht es auf den kräfteverschleißenden, dritten und mit 5.200 m höchsten Pass des Treks. Obwohl uns die Höhe diesen Part nicht gerade leicht macht, genießen wir jede Sekunde davon in einer Bilderbuchlandschaft aus diversen leuchtenden Gletschern, verschiedenstfarbigen Lagunen, saftgrünen Tälern und regenbogenfarbigem Gestein wohin der Blick reicht.“

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„Äußerst ausgelaugt erreichen wir den Höhepunkt des Passes auf welchem uns ein wie aus dem Nichts kommender Schneesturm gleich wieder runterjagt. Dicke Schneeflocken verwandeln sich in schwere Regentropfen und transformieren einen gemütlichen Abstieg zu einem Wettrennen um Trockenheit. Im Tal angekommen schlagen wir klitschnass ein Notfall-Camp auf und versuchen uns in unseren Schlafsäcken wieder aufzuwärmen. So verbringen wir unsere bisher kälteste und unangenehmste Nacht.“

 

Tag 4

"Mit der Hoffnung, von der Sonne geblendet zu werden, öffnen wir um 6 Uhr früh unser Zelt. Nebel! Es scheint die Nacht durchgeregnet zu haben und die Wiesen wirken schön saftig – perfekt zum weitergehen (oder auch nicht).

Da es zu diesem Zeitpunkt unmöglich ist unsere nassen Wanderhosen und Schuhe in der Sonne trocknen zu lassen, es allerdings keine Spur von Schnee- oder Regenschauer gibt, entscheiden wir, in unseren Pyjamas und unsere Füsse von Plastiksäcken umhüllt loszugehen.
Heute haben wir ungefähr 24 Kilometer und ca. 1.000 Höhenmeter (auf und wieder ab) vor uns. Trotz der eher unvorteilhaften Voraussetzungen für diesen Tag sind wir guter Dinge und haben eine Mordsgaudi."

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„Erfreulicherweise hat der Wettergott Gnade mit uns und wir schaffen es innerhalb von 4 Stunden trocken auf den vierten und somit letzten Pass, den Q'ampa Pass auf 5.000 m, bevor wir die ersten Regentropfen spüren. Sofort hüpfen wir in unsere, nun angenehmerweise nur mehr halbnassen Trekkinghosen und wandern weiter. Das Glück ist nun wieder auf unserer Seite, moduliert die Regentropfen in wunderschöne Schneeflocken um und lässt unsere Weiterreise super angenehm verlaufen. Wir durchreisen atemberaubende Szenarien, durchwachsen von diversen Gletscherseen, unzähligen Alpaca-Herden und majestätischen Bergen.“

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„Nach neun ermüdenden Stunden erreichen wir endlich das abgelegene Andendorf Pacchanta. Zu unserer Überraschung ist es uns möglich dort in einer kleinen Hospedaje in Betten zu schlafen und uns in einem kleinen Shop/Restaurant Fisch und BIER bei Kerzenlicht zu gönnen.
Auch die fleissige Susi kann endlich mit Leckerlis belohnt werden.

Nachdem wir tagelang nur Nudel-Suppen gegessen haben und Susi unseren einzigen Tunfisch bekam, fühlen wir uns nach diesem Mahl alle vier wie junge Götter.“

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Tag 5

„Der letzte und einfachste Tag. Wir verlassen das kleine Bergdorf und wandern gemütlich drei bis vier Stunden zurück zum Dorf Tinki, unserem Ausgangspunkt. Nach einer kurzen, überraschend traurigen Verabschiedung von Susi geht's im Bus wieder zurück nach Cusco.“

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Zum vorigen Beitrag von Ralf & Veri: Salzwüste: gleißende Sonne, wahnsinnig kalte Nächte

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Ralf & Veri fueled by Steppenwolf. Fotos, Video: © 2018 Veri & Ralf
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